Betriebsleiter! Eine Runde DANOs für alle...!

Dieser Blog trägt nicht umsonst den Namen DANO 2.0, denn die DANO ist ein wesentlicher Grundbegriff für die umsichtige Straßenbahnerin, den umsichtigen Straßenbahner. So wie jeder Tf (Triebfahrzeugführer) bei der Eisenbahn (siehe EBO) sich vor Dienstantritt über den aktuellen Zustand seiner Strecken zu informieren hat (Langsamfahrstellen [La] usw.) so muss sich jede Kutscherin und jeder Kutscher vor Fahrtantritt darüber informieren, ob es irgendwelche Besonderheiten auf der zu befahrenden "Ritze" gibt. Beginnt der Dienst nicht auf dem Hof (was nicht selten vorkommt) guckt man in die Fahrmappe in der sich in der Regel hilfreiche Unterlagen und eine Auswahl aktueller DANOs befinden. Beginnt der Dienst hingegen auf dem Hof, dann kann man in der Einsatzleitung oder einem entsprechenden Start- und Sammelpunkt (z. B. Aufenthaltsräume etc.) einen Blick auf die aktuellen Dienstanordnungen (kurz: DANO) werfen.


Abendstimmung über der ehemaligen Einsatzleitung des Betriebshofs Lichtenberg im Oktober 2018. Von hier aus wurden die Züge "rangiert", also zusammen- und auf der "Platte" bereitgestellt. Außerdem befand sich hier der Aufenthaltsraum für die Fahrerinnen und Fahrer. Rechts und links davon fuhren und fahren die Züge vom Hof. Zu DDR-Zeiten lag der Betriebshof inmitten eines der größten zusammenhängenden Industriegebiete Berlins mit einem verzweigten Güterbahnnetz, was wiederholt dazu führte, dass die Elektrische an diversen Bahnübergängen der Zustellung von Wagen der Deutschen Reichsbahn zu den Anschließern harren musste. Aber auch das ist Geschichte.


Eine DANO kann diverse Dinge regeln, aber sind vor allem Geschwindigkeitsregelungen oder Sperrungen. Da so ein Straßenbahnbetrieb nicht einfach so drauflos werkeln kann und jeder macht, worauf er oder sie gerade Lust hat, gibt es wie auf jedem Schiff, das dampft und segelt, einen, der die Sache regelt. Der Betriebsleiter. Der hat die Hosen auf und den Hut an. Es ist im Grunde wurscht, wer den Straßenbahnbetrieb kaufmännisch oder nach der Unternehmensstruktur führt (z. B. der Bereichsleiter Straßenbahn bei der BVG), denn gemäß § 8 BOStrab hat der Betriebsleiter das letzte Wort.


Nach dieser Vorschrift ist der Betriebsleiter für die sichere und ordnungsgemäße Betriebsführung insgesamt verantwortlich. Jedes Straßenbahnunternehmen in Deutschland muss daher gegenüber der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB, die Erfinderin der TAB-Taste. ;p) eine Betriebsleiterin oder Betriebsleiter nachweisen. Diese Person muss sogar eine entsprechende Prüfung bestanden haben und zuverlässig sein. Eine wesentliche Aufgabe ist gemäß der BOStrab entsprechend den jeweiligen betrieblichen Erfordernissen Dienstanweisungen für Betriebsbedienstete aufzustellen und und ihre Einhaltung sicherzustellen.



Zukunftsmusik. Auch wenn der politische Wille, das Geld dafür da sind und der Mond im dritten Haus des Jupiter steht. Eine Straßenbahn entlang der Kantstraße wird der Autor dieser Zeilen nicht mehr erleben. Da sei das Planfeststellungsrecht (dazu später mal mehr) davor. Aber so oder so ähnlich könnte eine DANO aussehen, die eine Kollegin oder ein Kollege des zukünftigen Straßenbahnhofs Spandau (oder Charlottenburg, falls "Fahrrad Stadler" mitmacht) einzuhalten hat. Das "G3" ist bei der Bundeswehr zwar auch bekannt, aber umschreibt hier nach der Signalordnung das "Geschwindigkeitsbeschränkung-Ende"-Signal (schwarzes "E" auf weißem Grund). Dazu auch später mehr.


Baissewäi - was is eigentlich eine Straßenbahn?


Immer wieder kommt es in den einschlägigen Foren zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, ob der Frage, haben jetzt nur München, Hamburg und Berlin eine U-Bahn und ist alles andere eine lichtscheue, weil im Tunnel verkehrende, Straßenbahn?


Kurzum: Alles was nicht nach der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung (EBO, sprich E-B-O, es ist keine Figur aus der "Sesamstraße"!) fährt, unterliegt im Zweifel der BOStrab. Dazu gehören Straßen-, Stadt- und U-Bahnen. Denn gemäß gemäß § 4 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) gelten als Straßenbahn sämtliche Schienenbahnen, die


1. den Verkehrsraum öffentlicher Straßen benutzen und sich mit ihren baulichen und betrieblichen Einrichtungen sowie in ihrer Betriebsweise der Eigenart des Straßenverkehrs anpassen oder


2. einen besonderen Bahnkörper haben und in der Betriebsweise den unter Nr. 1 bezeichneten Bahnen gleichen oder ähneln und



3. ausschließlich oder überwiegend der Beförderung von Personen im Orts- und Nachbarschaftsbereich dienen.


Davon ausgenommen sind ausdrücklich Berg- und Seilbahnen (Hallo, Marzahn!).


Man kann also Bahnen, die als "Straßenbahnen" der BOStrab unterfallen, in zwei Gruppen unterteilen:

a) straßenabhängige Bahnen


b) unabhängige Bahnen (Bsp. Stuttgart, als Mischbetrieb aus straßenabhängigen und straßenunabhängigen Bahnen wird dieser Betrieb als "Stadtbahn" zu klassifizieren sein).


U-Bahnen sind hingegen völlig unabhängig vom Verkehrsraum öffentlicher Straßen angelegte Bahnen. Sie können sowohl im Tunnel als auch auf Dämmen und Hochstrecken oder im freien Gelände angelegt sein. Bei U-Bahnen spricht man von einem "geschlossenen System". Im Allgemeinen erfolgt die Stromzuführung über eine seitlich am Gleis angeordnete Stromschiene.



Eindeutig U-Bahn. Seitliche Stromschiene, unabhängig und Hochstrecke. Keine Blinker.



Keine Straßen- oder U-Bahn, auch wenn hier eine seitliche Stromschiene vorhanden ist (die Qualität dieses "Schnappschusses" sei entschuldigt, aber seit dieser Aufnahme sind über elf Jahre vergangen und markierte die Anfangszeiten des Umbaus des Ostkreuz, welches in nur wenigen Wochen wieder vollständig in Betrieb gehen soll).



Und das nächste mal beschäftigen wir uns mit der Abkürzung VBH...;)


Grüße vom Lotushof.