Neu Ein Tag im Alltag

Dann wollen wir mal. Anhand eines normalen Diensttages will ich den Alltag mit seinen kleinen Widrigkeiten und Stolperfallen darstellen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, diesen grafisch darzustellen. Die Einzelheiten kann man dem Text darunter entnehmen.

Der Dienst trägt die Nummer 3006018, Dienstdauer von 11:50 Uhr bis 20:39 Uhr und besteht aus 2 Wechseln mit 3 Kursen (kann auch mal mehr, aber auch weniger sein (minimum Zwei)



Wie sieht so ein Dienst aus?

Da ist die rnv recht fortschrittlich. Alle Informationen sind online auf Handy, PC, Tablet oder auch eigens dafür vorgesehenen Terminals für das Fahrpersonal einsehbar.

Der Dienstauftrag wird in tabellarischer Reihenfolge aufgeführt und beginnt mit der ersten Übernahme des angegebenen Kurses an dem dafür vorgesehen Startpunkt. In dieser Tabelle befinden sich alle Informationen wie Start-, Ablöse- und Endpunkte, die Linien sowie die dazugehörigen Umläufe. Auch die Pausen werden minutiös aufgeführt. Der Fahrer muss diesen Dienst eigenverantwortlich erfüllen, also in diesem Fall ich von 11:50 - mind. 20:39 Uhr.Apropos Umlauf: jedes Fahrzeug hat seinen eigenen Umlauf und dies vom Aus- bis zum Einrücken.


Genug erklärt. Es geht los. Mit dem eigenen PKW fahre ich zum Depot in Rheingönheim, da ich zum Dienstschluß die Aufgabe habe mit meinem Zug dort einzurücken. Also das Auto dort abgestellt und mit einem Linienzug zu meinem Startpunkt, dem Berliner Platz in der Ludwigshafener Innenstadt, zu gelangen. Die Anreise habe ich also geschafft ...



Der erste Dienst sieht die Linie 4 vom Berliner Platz nach MA-Waldfriedhof - Berliner Platz - LU-Oggersheim - Berliner Platz - MA-Paradeplatz, Dauer ca. 2,5 Stunden vor. Mein Dienstfahrzeug ist der GT6N mit der Wagennummer 2209. Die alten Kisten machen echt Spaß zu fahren, aber man merkt ihnen ihre Jahre schon an und leider auch ansteigende Fehleranfälligkeit.

Leider hat er Probleme mit der manuellen Fahrweganforderung (es gibt bei der rnv dies als manuelle wie automatische Variante für Signale und Weichenstraßen) und das besonders auf der Neubaustrecke, wo doch vieles über gesondert gesicherte Streckenabschnitte geht. Also kann ich mir den Fahrweg selbst nicht anfordern, sondern muss mir über die Betriebszentrale die Weichenstraßen legen lassen. Dass der Fahrplan dadurch für die Tonne ist, die leider logische Konsequenz. So komme ich nach Oggersheim zurück mit über 7 Minuten Verspätung. Da ich dort nur 5 Minuten Wendezeit habe, fahre ich mit 2+ Minuten also wieder los. Am Berliner Platz muss der Verkehrsmeister zudem das MDT (also das IBIS ;)) resetten, da das Fahrzeug keine Informationen mehr an die DFI-Anzeigen sendet, also der Fahrgast von dem Zug virtuell nichts erfährt. Und *ZACK* da waren es 5 Minuten Plus. Nun ja, halb so wild, die Fahrplangestaltung sieht am Berliner Platz, Mannheimer Hauptbahnhof und Paradeplatz eh Pufferzeiten vor, so kann ich die Bahn mit Nennung aller Informationen und Geschehnisse an die Kollegin mit nur 2+ Minuten am Paradeplatz übergeben.


Am Paradeplatz folgt 20 Minuten später der Wechsel auf die wohl einzig richtige Stadtbahnlinie der Region, die 7. Bis auf 200 m in der Innenstadt Mannheims und ein ca. 100 m langes Stück am Universitätsklinikum verkehrt diese ausschließlich auf eigenem Bahnkörper. Entsprechend entspannt geht es auch auf die Strecke MA-Paradeplatz - MA-Vogelstang - MA-Paradeplatz - LU-Berliner Platz - LU-Oppau - LU-Berliner Platz, die Dauer dafür sind etwa 2 Stunden. Und mein Fahrzeug (wer kann es ahnen?) ist wieder ein GT6N mit der Wagennummer 2207, der Ludwigshafener Bruder vom Vorgänger (die erste Zahl gibt den Standort an. 2 ist also Ludwigshafen).

Und da läuft alles wie am Schnürchen. Ich komme mit ihm in den Feierabendverkehr an der BASF, die auf der 7 mit acht Haltestellen versorgt wird. Nach 4 Stationen passt kein Papier mehr rein, voll bis unter den Rand. Im Gegensatz zum Schülerverkehr wissen die Fahrgäste aber wie man aus Bahnen ein- und aussteigt. So gebe ich die Bahn nur mit 2 Minuten Verspätung und ohne besondere Vorkommnisse ab. Danach ist MITTAGSPAUSE!!!


Diese dauert ca. eine Stunde und dann geht es für die restlichen 3 Stunden des Arbeitstages auf die 6A, die Rheingönheim mit der SAP-Arena verbindet. Bei vielen Fahrern verschrien, da der Fahrplan sehr knackig ist und Verspätungen nur sehr mühsam reinzuholen sind. Hinzu kommt, dass sie viele Schulen anbindet und die Wendezeiten mit 6 Minuten knapp bemessen sind.

Da heute GT6N-Tag ist, erwartet mich wieder ein Ludwigshafener, der 2202. Glücklicherweise auch wieder sehr geschmeidig.


Meine erste Tour führt vom Berliner Platz zur SAP-Arena. Durch viele Ampelschaltungen und hohes Zugaufkommen schlägt der Verspätungsteufel auch hier zu, ohne Pause geht´s zurück nach Rheingönheim. Da kurz Durchschnaufen (ca. 2 Minuten) und wieder retour zur SAP-Arena. Der Feierabendverkehr hat um 19:50 Uhr doch deutlich nachgelassen, da reicht´s mal für einen kleinen Schnappschuß aus der Mannheimer Innenstadt.


In Rheingönheim angekommen, führt man das Fahrzeug zurück in den Betriebshof. Hierfür meldet man den Zustand des Zuges an die Betriebszentrale, die dem Fahrer dann das Gleis nennt, auf dem er dieses abzustellen hat. Da das Fahrzeug keine Mängel hatte (also fehlender Sand, defekte Tür o.ä.), wurde es in der Wagenhalle abgestellt, wo die Reinigungskräfte diesen für den nächsten Tag wieder auf Vordermann bringen.


Mit Ausfüllen der Tachoscheibe (ja, das ist bei diesen noch notwendig, die rnv6 und rnv8 haben diese nicht mehr), der Wagenkarte sowie dem Umlaufplan geht es zurück in die Verwaltung, wo alles abgegeben wird. Und damit ist Schluß für heute ... HALT! Nach Hause fahren muss ich ja auch noch ...


So sieht so ein Diensttag aus. Dieser war entspannt (auch mal schön), morgen kann es wieder ganz anders aussehen. Am Vortag hatte ich z.B. einen 4-fachen Umlaufwechsel mit zusätzlichem Ausrücken aus dem Mannheimer Betriebshof. Stressig, aber spannend. Und obwohl sich die Strecken kaum ändern, jeder Tag läuft immer irgendwie anders ...

Kommentare 4

  • Sehr schön, hier über den Nahverkehr der Region Rhein-Neckar zu lesen. Als gebürtiger Mannheimer lese ich deine Beiträge natürlich sehr gerne und werde am Ball bleiben. Solltest du mal zur OEG-Wagenhalle kommen, würde ich mich über einen Bericht sehr freuen.


    Ach so: der Link zum Dienstplan ist tot. Vielleicht auch nicht die beste Idee, so ein internes Dokument online zu zeigen. Oder hast du es anonymisiert? Nicht, dass da noch Ärger auf dich zu kommt.

    • So, nochmal hochgeladen. Das Bild mit dem Dienstplan habe ich nochmal angehängt, auf dem Mobilen wurde alles angezeigt. Komisch. Jetzt am PC habe ich gesehen, dass einiges mit "false" angezeigt wurde. Sollte also jetzt wieder alles .


      Nach Käfertal komme ich als Ludwigshafener eher nicht, da ist die Möhlstraße schon eher mal die Ausnahme :)

    • Klappt, danke.

      p.s. Ich meinte übrigens die OEG-Halle in Edingen (das ist vorhin beim Editieren verschütt gegangen ), aber die ist dann eh für dich "unerreichbar" ;-)

  • Danke für diesen interessanten Einblick!


    PS: Die Bilder oben funktionieren irgendwie nicht.