Vorgeplänkel Teil 3: Warten, Papierkram und Diensteinteilung

Hallo!


Hier nun der dritte und letzte Teil des Vorgeplänkel, also die
letzten Schritte bis zum Vortag der Schulung.


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Anfang August:


Da mir nach zwei Wochen das Warten wirklich auf [hier Schimpfwort
nach Wahl einfügen] geht, rufe ich bei der Personalabteilung an.
Hier erklärt mir der Leiter, dass es – da die Teilzeit-Variante
noch neu ist – noch zu ein paar Schwierigkeiten für die gerade
aufzunehmenden Teilzeitler gibt. Da erfahre ich, dass ich im August
sicher nicht mehr starten kann, aber es wird alles daran gesetzt,
zumindest dieses Jahr noch den nächsten Kurs zu starten. 'Dieses
Jahr' lässt mich wirklich verzweifeln.


Aber was will man machen …



Mitte August:


Eines schönen Tages ist plötzlich habe ich plötzlich eine Mail von
besagtem Abteilungsleiter, der mich auffordert, einen ganzen A***voll Dokumente zu schicken.


Unter anderem werden Standard-Dinge gefragt, wie eine
Meldebestätigung, ein Ausweis, Geburtsurkunde, Bankverbindung, etc.
Aber auch ein Sozialversicherungsauszug (von dem ich gar nicht
gewusst habe, dass es sowas gibt) und ein polizeiliches
Leumundszeugnis wird verlangt. Bevor jemand fragt, das besteht nur
aus einer Seite, auf der steht, dass keine Vorstrafen gefunden
wurden.


Da ich nur drei Tage Zeit habe, das alles zu schicken, muss ich mich
einen Tag lang wirklich abhetzten, zur Polizei, zur Versicherung und
zum Amt für den Meldezettel.


Das 'Schicken' ist weniger solches, sondern ein hochladen in den
Personal-Sektor der Wiener Linien-Website. Hier kann man sich als
Azubi-Anwärter im System als neuer Azubi (diesmal ohne Anwärter)
anmelden. Nach ein paar Stunden totaler Panik, weil ich meine
Bescheinigung zur Stellung (fürs Militär) nicht finde, klappt
schließlich doch alles. (Der Militärdienst muss entweder abgegolten
sein oder man muss untauglich sein, sonst war´s das vermutlich mit
dem Straßenbahnfahren.)



Ende August:


Ich bekomme ein weiteres Mail. In diesem steht, dass ich mich bei der
Dienststelle für den Sektor West melden soll, um mir meine Dienste
mit dem Diensteinteiler auszumachen. Hurra!, denke ich. Aber ich
finde es seltsam, dass ich noch keinen Kursstart oder ähnliches
weiß.


So rufe ich im Betriebshof an und mache mir einen Termin für die
kommende Woche aus. Da wird mir mitgeteilt, dass ich als
Teilzeit-Mitarbeiter hauptsächlich Unterbrecher-Dienste (oder
zumindest Teile davon) fahren werde. Nicht so toll, da diese Dienste
von ~ 4:30 bis ~ 10:00 und ~ 14:00 bis ~ 18:00 gehen. Aber was will
man machen.



Anfang September:


Ungelogen, genau einen Tag vor dem Termin mit der Diensteinteilung
bekomme ich das Mail aller Mails. „Es freut uns Ihnen mitteilen zu
dürfen, dass Sie als Teilzeit Straßenbahnfahrer aufgenommen werden.
Wir laden Sie zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrages ein.“ Ende
September soll ich den Vertrag unterzeichnen. Und laut dem Mail soll
ich direkt am Tag darauf das Dienstverhältnis anfangen.


Da mich das etwas verdutzt, rufe ich nochmal beider Personalabteilung
an. (Die erkennen mich inzwischen schon am Namen, was sicher nicht
bei jedem Bewerber der Fall ist.) Eine neue Stimme klärt mich
darüber auf, dass das bedeutet, dass am Tag nach der
Vertragsunterzeichnung die Schulung anfängt.


Tags darauf gehe ich zur Diensteinteilung im Bahnhof Rudolfsheim. Das
ist das erste Mal, dass ich dieses Gebäude betrete, was für bald
kommende drei Monate meine Ausbildungsstelle sein wird, dazu noch für
meine weitere Zeit als Straßenbahnfahrer die Anlaufstelle für
dienstliche Angelegenheiten und der wichtigste Expedit im Sektor
West. (7 / 10 Linien fahren hier aus, wenn auch nicht alle exklusiv.)


Nach ein bisschen Wartezeit vor dem Büro des Diensteinteilers (das
es auch erst einmal zu finden gilt, da sich die meisten Leute im
Gebäude gut auskennen – außer mir), geht es zu einer der
wichtigsten Entscheidungen für die Zukunft: Der Dienstplan.


Hier erfahre ich, dass ich nach der Ausbildung erst noch für etwa
zwei Monate Vollzeit fahren muss/sollte. Das Gesetz sieht nämlich
vor, dass man im ersten halben Jahr mindestens 28 Vollzeit-Tage
fahren muss, wo zufällig ein Kontrollorgan die Fahrweise überprüfen
kann. Damit sind so Sachen wie ruckelfreies anfahren und bremsen
gemeint, sowie der allgemeine Fahrgastkomfort. Diese 28 Vollzeit-Tage
würde ich zwar in 20-Stunden Teilzeit schaffen, aber nur ganz knapp.
Wenn ich also im ersten halben Jahr mehr als zwei-, dreimal krank
bin, dann war die ganze Ausbildung für die Katz. Also lieber nach
der Ausbildung noch zwei oder drei Monate Vollzeit, dann bin ich auf
der sicheren Seite.


Vollzeit funktioniert (wenn ich es richtig verstanden habe) wie
folgt:

2 Tage Unterbrecher-Dienste (also morgens und nachmittags)

1 Tag Spätdienst (bis 2 Uhr)

1 Tag später Tagdienst (bis 20 Uhr)

1 Tag früher Tagdienst (bis 16 Uhr)

1 Tag Frühdienst (bis 12 Uhr)

dann 2-3 Tage frei


Für Teilzeit mache ich mir aus, dass ich einen Tag einen vollen
Unterbrecher-Dienst fahre (also Morgens, dann ein paar Stunden Pause,
dann noch am Nachmittag arbeiten) und an drei weiteren Tagen nur
nachmittags/abends. Ein möglicher Dienstplan könnte bei mir dann
also wie folgend aussehen:



Zur Erklärung von den Zahlen und Buchstaben oben:

4 / 2: Die Kennziffer der Schicht (4=Unterbrecher-Dienst,
2=Nachmittags-Unterbrecher-Teil)

F: Freier Tag

ZF: Zusatz - Freier Tag

ZA: Zeitausgleich


Überstunden sind etwas schwieriger als von mir ursprünglich
gedacht. Da per Gesetz ein Fahrer an zwei aufeinanderfolgenden Tagen
pro Woche ruhen muss, kann ich am Freien und Zusatz - Freien Tag
nicht arbeiten. Der Zeitausgleich-Tag ist für Überstunden
allerdings geeignet. Die muss man aber mindestens ein paar Tage
(besser 1-2 Wochen vorher) ankündigen. Mein „Überstunden-Tag“
ist Sonntag. Das ist zwar für Wochenend-Pläne nicht so toll, dafür
für die Geldbörse umso besser.


Zwei Fragen brennen mir noch auf der Zunge, die ich dem
Diensteinteiler einfach mal stelle:


1. Wie sieht es mit einer Parkmöglichkeit am Bahnhof aus?


Antwort: Gar nicht gut. Außer bei den allerersten und allerletzten
Diensten muss man öffentlich kommen, sonst hat man keine Chance auf
einen Parkplatz.


2. Hab ich was verpasst, oder wann gibt es meine Dienstkleidung?


Die kommt in der Schulungszeit, wenn wir alle gemeinsam (also alle
Fahrschüler) die Uniformen probieren und gestellt bekommen.


Nach einer halben Stunde beim Diensteinteiler, einem Programmfehler
und einer weiteren halben Stunde Warten habe ich den Antrag für
Teilzeit-Arbeit in der Hand.


Das letzte, was vor dem Arbeitsvertrages noch bleibt, ist das
Verständigen der Personalabteilung, dass mir die Dienststelle grünes
Licht (bzw. freie Fahr ;) ) gegeben hat. Herr K. ist zwar etwas
überrascht, dass das bei mir alles doch so schnell geklappt hat,
aber er wünscht mir am Ende nur alles Gute.


Also noch drei Wochen, dann geht es los.



Ende September:


Am Tag der Arbeitsvertragsunterzeichung passiert so einiges.


Überraschenderweise ist es nicht, wie von mir angenommen, ein 1-on-1

Gespräch mit der betreffenden Frau Magister, sondern eine Gruppenangelegenheit.

Alle am nächsten Tag angehenden Azubis unterschreiben den Dienstvertrag. (Was genau
drinnsteht darf ich zwar aus rechtlichen Gründen nicht sagen, aber
es ist hauptsächlich Standardkram wie Krankenregelungen,
Versicherungen, Gehalt, etc.)


Nachdem ich sowohl mein Original,
als auch die Kopie für die Wiener Linien (und ein paar
Datenschutz-Verordnungen unterzeichnet habe :rolleyes: ) geht es zum zweiten
Punkt der Tagesordnung: eine kurze Unterweisung in den „Lehrplan“.


Der Unterweiser, ein netter älterer Herr, erklärt uns was (in etwa) wir

lernen, wann (in etwa) wir es lernen, Besonderheiten der Ausbildung usw.

Hier erfahre ich nun, dass die Schulung doch nicht wie bislang von mir angenommen

am zentralen Bahnhof im Sektor West stattfindet sondern über ein paar Bahnhöfe
(und sogar einen komplett externen Schulungsraum) über halb Wien
verteilt. Heißt also: Nicht nur um 5 Uhr aufstehen, sondern auch
noch eine Stunde statt 30 Minuten wie bisher angenommen pendeln. Naja …


Dafür bekomme ich meinen Dienstausweis, mit dem ich nun gratis mit dem

ganzen ÖPNV innerhalb der Wiener Stadtgrenze fahren darf. Auch ein kleines
„Überraschungs-Sackerl“ erwartet jeden angehenden Fahrer. Darin
sind Infomaterial für Mitarbeiter, ein Block, ein paar Süßigkeiten,
ein Kugelschreiber und noch ein Heft mit wichtigen englischen Phrasen
für Straßenbahnfahrer, um mit den Kunden gut zurechtzukommen.


Schlussendlich geht es zur Dienstkleidung, oder wie es korrekt heißt: Interne
Dienstkleiderausgabe. Da wir 15 Leute in der Fahrschule sind und alle
ihre Dienstkleider bekommen, dauert das Warten entsprechend lange.
Aber nach etwas Smalltalk mit meinen angehenden Kollegen (inkl. dem
Erstellen einer WhatsApp-Gruppe) komme dann ich auf die Reihe. Die
Dienstkleidung für Fahrschüler umfasst: eine Jacke, einen Pullover,
drei Langarm-Hemden, drei Kurzarm-Hemden, zwei Hosen und eine
Krawatte. Dazu noch eine Warnweste, Handschuhe und einen Schlüssel,
der die Pausenräume bei den Betriebsbahnhöfen sperrt. (Schließlich
ist um 5 Uhr oder 0 Uhr zur Pause kein anderer da.)


Dann noch kurz den (angehenden) Kollegen Tschüss sagen und der wohl

spannendste Tag im Vorgeplänkel ist vorbei. Oder zumindest der, von dem

ich am meisten mitnehmen kann – im wahrsten Sinne, denn die Dienstkleider

alleine sind ein großer Sack voll.


Das war heute, am 25.9. Morgen geht es also los.


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Ich berichte dann wahrscheinlich
wöchentlich von den Ereignissen in der Fahrschule.


Grüße

Comments 4

  • Sehr interessanter Bericht, es liest sich aber fast so, als würde Du als Astronaut oder Pilot bei den Wiener Linien anfangen - seitens der Anforderungen und auch die Vorgaben bzgl. Vollzeit-Pflicht. Könnte ich mir hier in den Umfang wo ich als Straßenbahnfahrer arbeite nicht vorstellen, spätestens beim Thema BMI über 30 wäre ich in der medizinischen Untersuchung durchgefallen...


    Bin mir gerade nicht sicher, habe auch nicht gegoogelt - kann es sein, dass es in Österreich gar nicht so die Trennung mit BOStrab und EBO wie in Deutschland gibt bzw. Schienenbahnen dort im Grunde alle als Eisenbahnen gesehen werden?

    • Bei uns gilt für Straßenbahnen das selbe Grundgesetz wie für alle anderen Eisenbahnen.


      Die Anforderungen finde ich nicht so schlimm, immerhin gibt es Berufe mit weniger Prestige und ähnlicher Bezahlung, wo du zumindest im Sektor Vorwissen deutlich mehr draufhaben musst. Als Straßenbahnfahrer musst du zwar die Tests machen, brauchst aber nur die Grundschule (keine Matura/kein Abi). BMI 30 ist wohl noch ein Relikt von damals, als Straßenbahnfahrer Beamte waren und das genau die selbe Eingangsprüfung für die Polizei war.


      Die "Vollzeit-Pflicht" hat damit zu tun, dass wir als Fahrer auch von der obersten Eisenbahnbehörde kontrolliert werden, nicht nur von den Wiener Linien selbst. Und für die muss es eben genug Gelegenheiten geben.

  • Dann wünsche ich dir einen schönen ersten Ausbildungstag morgen und freue mich auf weitere Berichte!

    • Danke vielmals! Berichte werden kommen, keine Sorge :)