3635 – der Wagen mit ohne Werbung

Das ein Straßenbahnwagen ohne Reklame fuhr, war eigentlich die Ausnahme. In der Regel war jeder Wagen zumindest mit einer Rumpfwerbung unter den Fenstern versehen. Manche Bahnen wechselten häufiger ihr Werbemotiv, andere fuhren Jahrzehnte mit einer Reklame durch die Stadt. Ab 1971 gab es auch die bunten Popbahnen, so nannte man die Ganzreklame in Hamburg.


Die Reklameverträge hatten damals längere Laufzeiten. Verständlich, denn sie wurden noch lackiert und nicht wie heute auf Folie gedruckt und aufgeklebt. Mittels Bleifolie, oft aber auch noch mit dem Pinsel übertrugen die geschickten Maler der Hamburger Verkehrsmittelwerbung die Motive der Agenturen auf die Fahrzeuge.


In den letzten Betriebsjahren kam viel Bewegung in die Reklamebelegungen der Straßenbahnen. Da sich der Wagenpark durch Ausmusterung und Verschrottung zunehmend lichtete, die Werbeverträge aber zum Teil noch längere Laufzeiten hatten, wechselten die Werbemotive auf einigen Bahnen recht häufig. Dabei wurden zum Ende der 1970er Jahre bei einigen Wagen auch erstmals Klebefolien für die Rumpffläche-Werbung eingesetzt.


Auch beim 3635 wechselten die Werbemotive mehrmals. In den Hamburger Fuhrparklisten ist der Wagen seit seiner Inbetriebnahme mit einer Werbung für „Handelsgold-Zigarren“ verzeichnet. Später folgte eine Werbung für den Geschenkartikel-Laden „Thevs & Co.“. Mitte der 1970er Jahre kam es zu mehreren kurzfristigen Motivwechseln. So warb die Bahn für ein Campingcenter in der Spaldingstraße, trug eine SPD-Wahlwerbung für Helmut Schmidt und warb kurz für „Nivea-Creme“. Die Werbung wurde dann allerdings noch neutralisiert und so fuhr 3635 die letzte Zeit seines Einsatzlebens ohne Außenreklame. Ein seltener Fall.


Wurde Werbung neutralisiert oder gewechselt, mussten oft auch die Anschriften „EINGANG“ und „EINGANG BEIM FAHRER“ neu aufgebracht werden. Zum Schluss wurden die aber nicht mehr auflackiert, sondern nur noch durch Aufkleber ersetzt, die in Farbe, Schrift und Größe variierten. Deshalb sind die Anschriften unserer Modelle für Wagennummer, Ein- und Ausstiege auch Teil des Repaints. Vorteil: Das erlaubt eine Vielzahl an Beschriftungsvarianten. Nachteil: Auf Nähe sieht es etwas verwaschen aus. Aber auch beim virtuellen Modellbau geht es nicht immer ohne Kompromisse und im Zweifel habe ich lieber ein paar Frames pro Sekunde mehr, als eine gestochen scharfe Beschriftungen.


Das Ende der Hamburger Straßenbahn erlebte der Wagen übrigens nicht aktiv. Er wurde bereits vor der Betriebseinstellung, im Juni 1978 ausgemustert und später mit dem Rest der Wagen verschrottet.

Comments 2

  • Deine Bilder sind ja schon wie ein "Digitales Museum". Du könntest ja eine Website machen mit dem Titel "Hamburger Straßenbahnfarzeugchronik". Ich find deine Bilder echt super!